Wandern auf den Lofoten – der Reinebriggen
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Wandern auf den Lofoten – der Reinebriggen

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Der Geist wächst mit der Weite des Augenblicks

-J.W. von Goethe-


Miris Geist wuchs am Montag, den 17.08.2015…


 

„Come on Miriam! You can do it!“

schallt es von oben.

Keuchend und nach Luft ringend schaut sie hinauf.

You already made it! It´s just another maybe 200 meters up there.

in gebrochenem Englisch- hörbar mit südländischem Akzent- lächelte sie jemand von weiter oben an, der sich bereits auf dem Rückweg befand.

Also Zähne zusammenbeißen! Nicht noch einmal aufgeben! Heute war der Tag, an dem der Reinebriggen bezwungen werden wollte!

„Nicht noch einmal aufgeben“ heißt, dass Miri es schon einmal versucht hatte hier hoch zu kommen. Im Mai 2013. Schnee bedeckte die Gipfel der Lofoten, Unmengen von Schmelzwasser waren jedoch schon auf dem Weg hinunter und erschwerten den Aufstieg. Zuviel für Miri. Das Geröll unter ihren Füßen gibt nach. Ein Blick zurück und da war es geschehen. Panik schießt in ihren Kopf, Tränen in ihre Augen. Gelähmt wie die bekannte Katze auf dem Baum, die von der Feuerwehr gerettet werden muss, klammert sie sich an einen Felsbrocken.

„Ein Blick zurück“ heißt: „ein Blick nach unten“. Erst jetzt beim Zurückblicken sieht sie, wie steil es eigentlich den Abhang hinunter geht.“ Nur ein falscher Tritt…“ denkt sie… das Szenario in ihrem Kopf breitet sich aus. Ihre Beine wackeln, fühlen sich wie Gummi an. Die Höhenangst hatte ihr ein Schnippchen geschlagen und das- wie sie heute, zwei Jahre später feststellen muss- nur wenige Meter vor dem Ziel. Auf dem Popo und allen Vieren robbt sie sich schließlich den Berg wieder hinunter. Zugegeben: für Außenstehende muss das zum Schreien ausgesehen haben! 😉

Aber auch für Andy und Skar endet der Weg nur wenige Meter höher. Schneefelder lassen keine Rückschlüsse zu, was sich unter ihnen verbergen mag. Das Weitergehen wird zu riskant, könnten sich doch unter jedem Schritt eine Felsspalte oder ein rutschiger Bachlauf verbergen.

Ja, du hast richtig gelesen: Skar war damals vor zwei Jahren auch mit von der Partie. Wie ein Geißbock erkletterte er damals noch den schwierigsten Pfad. Wenn dein Hund also auch über eine gute Bodenhaftung verfügt, kannst du es durchaus wagen, ihn mit hoch zu nehmen.

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Kein Aufstieg für Höhenängstliche… oder du guckst halt einfach nicht zurück. Dann musst du aber auch noch irgendwie wieder hinunter kommen nachher…

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…notfalls eben auf dem Popo…

Die gute Nachricht vorweg: du wirst es geahnt haben – Miri kam dieses Mal an. Yeah!!! Und da Miri zwar gerne wandert, aber nicht so recht gut klettern kann, sollte dieser Weg auch für dich bezwingbar sein-

Yes! You can!

Anfahrt zum Startpunkt

Aus Richtung Svolvaer kommend, der E10 folgend liegt schließlich links von dir das kleine Örtchen Reine. Du kannst es eigentlich gar nicht verfehlen. Es ist gut ausgeschildert, verbergen sich doch hier einige der beliebtesten Postkartenmotive der Lofoten. Direkt neben der E10 am Abzweig nach Reine gibt es einen großen Parkplatz. Von hier aus hast du in etwa diesen Ausblick:

Reine - Miriam Brandt

Aus Richtung A kommend das gleiche Spiel, nur dass der Abzweig natürlich nach rechts geht.

Hier kannst du prima deinen Wagen abstellen. Nachmittags kann hier durchaus ein schattiges Windchen wehen, so dass du deinen Vierbeiner auch mit geöffnetem Fenster im Auto lassen kannst, falls er nicht geländegängig genug erscheint. Skar schlief dieses Mal auch friedlich im Kofferraum, der alte Seniorbummler mit den jetzt steifen Knochen.

Der Weg

Beginnt genau jetzt. Du gehst vom Parkplatz aus die E10 Richtung A i Lofoten. Nach nur wenigen Metern erreichst du einen Tunnel, den du als Fußgänger ja ohnehin nicht durchqueren kannst. Dein Weg führt dich links am Tunnel vorbei. Achte jetzt immer auf den Hang rechts neben dir und Kennzeichnungen auf dem Boden. Dort, wo der Weg beginnt, zeigt ein weißer, auf den Asphalt gemalter Pfeil nach rechts Richtung Birkenwäldchen (links ist Wasser).

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Schon nach wenigen Metern wird deine Kondition gefragt sein. Mal felsig, mal matschig geht es zunächst moderat nach oben. Der Weg ist nicht besonders gekennzeichnet, jedoch im Grunde genommen optisch auch nicht zu verfehlen.

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Bild aus Mai 2013 von den ersten Metern im Birkenwäldchen

Nach einiger Zeit dann lässt du die Bäumchen hinter dir und es wird felsig und steil. Wir fanden zwei Stellen recht fies. Eine kurz vor Ende des Wäldchens, wo du eine langgezogene glatte Felswand überwinden musst (dicke Äste haben beim Festhalten geholfen- doch Achtung! Unbedingt vorher antesten und nicht arglos einfach an Gestrüpp und Ästen festhalten- die könnten abknicken und du hast keinen Halt mehr!), die andere tatsächlich kurz vor Ziel (wenn wir das zu dem Zeitpunkt gewusst hätten! 😉 ). Hier musst du ebenfalls steil nach oben ohne richtige Tritte zu haben. Im Winter hing hier noch ein Seil als Hilfe, jetzt im Sommer konnten wir uns auf dem trockenen Boden gut seitlich entlang vortasten.

Insgesamt wirst du hin und zurück ca. 3 Kilometer und rd. 420 Höhenmeter- wenn du vom Plateau aus noch ganz oben auf den Gipfel des Reinebringgen klettern willst 448 Höhenmeter- hinter dich bringen.

Die Aussicht

U N B E S C H R E I B L I C H

Auch, wenn du den Ausblick sicherlich schon von diversen Postkartenmotiven kennst- wenn du selbst hier oben stehst, wirst du dennoch berührt sein! Der Loose schreibt:

„In ganz Skandinavien gibt es kaum eine Wandertour, die in so kurzer Zeit zu einem Aussichtspunkt mit derart atemberaubendem Panorama führt.“

Reine - Andy Lorenz

 

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Reinebriggen - Andy Lorenz

 

Diese Bilder wurden alle vom Plateau aus gemacht. Schwindelfreie können auch noch auf den 30 Meter höher liegenden Gipfel klettern. Hierzu musst du rechts zunächst eine Felsenwand hinaufklettern- Trittstufen sind im Berg aber vorhanden. Nach rd. 2 Metern schon beginnt dann auch dort ein Pfad, der in ca. 10 Minuten bis ganz oben hinauf führt.

Wie lange brauche ich für den Weg?

Uns kam ein Pärchen entgegen, die meinten, wir sollten 2 Std hoch und 2 Std. runter einplanen. Ein anderes Pärchen, das das Plateau nach uns erreichte, hatte offenbar die Zeit gestoppt. „50 Minuten“ meinten sie und schauten sich zufrieden an. Drei Apfelringe eingeworfen, dann ging es direkt wieder abwärts für die beiden.

Der Loose gibt ca. 3 Std. für Hin- und Rückweg an. Wir denken, das trifft es im Schnitt sehr gut. Auch wir waren fix unterwegs und haben den Aufstieg zum Plateau vom Parkplatz aus in rd. einer Stunde gemeistert- auch wenn Miri zwischendurch kurz vor Hyperventilieren war. Dafür haben wir die Zeit oben umso mehr genossen! 🙂

Übernachtungsmöglichkeiten

Auf dem Plateau ist nur recht wenig Platz. Ein kleines Wanderzelt wie unseres würde sich aber durchaus unterbringen lassen. Auf dem Weg selbst ist das Aufbauen eines „normalen“ Zeltes nicht möglich. – Zu steil  und zu felsig ist es überall und da wo nicht… ja, da ist Matsch. Organisatorisch schwieriger ist es sicherlich, dass du reichlich Wasser und natürlich auch etwas zu Beißen mitbringen musst- hier oben gibt es leider nichts.


 

Und? Wäre das eine Tour für dich? Was meinst du? Schreib es uns in die Kommentare, wir freuen uns!

Bis zum nächsten Mal

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Andy, Miri und Skar

 

 

 

 

 

 

 

Verfolgen Andy und Miriam:

Wir sind Andy und Miriam und wir sind reisesüchtig! Nach der Reise ist für uns vor der Reise! Wir brauchen diese Vorfreude, diese Spannung, ehe es zum nächsten Reiseziel geht! Wir brauchen, das Adrenalin, das uns durch die Adern rinnt, wenn wir bei der Flugsuchmaschine auf „buchen“ klicken, wenn der Flieger abhebt, wenn wir landen, wenn wir das erste Mal neue Gerüche in der Nase haben und fremde Sprachen hören, wenn wir mit Auto und Zelt unterwegs sind und sich unser Herz überschlägt, weil wir mal wieder DEN Mega- Platz für unser Nachtlager aufgetan haben… wir sind Adrenalinjunkies und wir sind Reisejunkies. Wir brauchen: REISEADRENALIN! Du auch?

8 Antworten

  1. […] sind ein biss­chen stolz. Zum ei­nen, weil wir den Reinebriggen auf den Lofoten er­klom­men ha­ben, zum an­de­ren auf diese tolle Erinnerung […]

  2. Christian
    | Antworten

    Vielen Dank für die tollen Tipps! Jetzt weiß ich, wo ich meinen nächsten Norwegen-Urlaub verbringen werde. Definitiv auf den Lofoten und definitiv mit einer Wanderung auf den Reinebringen! Wahnsinn!

    Liebe Grüße
    Christian

  3. […] Und dann geht´s los. Wie und wo­hin? Na auf den Reinebriggen! Unser Must-Have-Seen hier auf den Lofoten! Ausführliche Details zur Besteigung und der Tour gibt es hier: Wandern auf den Lofoten: der Reinebriggen […]

  4. Kerstin
    | Antworten

    Uiuiui, ich muss ja zugeben, dass ich ein wenig Höhenangst habe. Da ist wohl die Frage, was überwiegt – die Angst oder die Vorfreude auf diesen wahnsinnig tollen Ausblick! Würde es auf jeden Fall probieren wollen… 😉 Haha, und das mit dem Sturmschritt kommt mir bekannt vor, geht mir mit meinem Freund auch so 😀 Liebste Grüße, Kerstin

    • Die Bilderbummler
      | Antworten

      Haha, ja ich muss sagen, dass ich dann auch glücklich war, als ich den Abstieg hinter mir hatte… Aber jetzt mit einer Woche Abstand betrachtet würde ich’s jederzeit noch mal machen 😀 War einfach zu toll da oben! 🙂 Ganz liebe Grüße zurück!

  5. Tanja Starck
    | Antworten

    Glückwunsch Miri, das ist ja super, dass du das geschafft hast!

    Ich glaube, dass es nichts für mich wäre. Da bin ich zu tapsig für, aber die Aussicht ist wirklich phänomal, schön, dass ihr das erleben durftet!

    Viele liebe Grüße
    Tanja

    • Die Bilderbummler
      | Antworten

      Danke! 🙂 Ich bin auch eher tapsig- daher war es auch echt ein Kampf für mich, der sich aber auf jeden Fall gelohnt hat! Grenzerfahrung quasi …während Andy und zwei vor uns den Berg wie Geißböcke im Sturmschritt erobert haben 😉 Ganz liebe Grüße, Miri

Senf dazu geben? Her damit!