Mast und Schotbruch – Tipps für Segelinteressierte
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Mast und Schotbruch – Tipps für Segelinteressierte

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Hey, und schon wieder ich! Weil ich nämlich die Seglerin unter uns Bilderbummlern bin. 😉

Wie cool so ein Segeltörn sein kann, hast du ja schon in unseren Posts Das Himmelfahrtskommando und Marie-Änn Käfer und ihre tollkühne Crew nachlesen können. Wenn du da schon Blut geleckt hast, dann jetzt Ohren auf und Lesebrille zurechtgerückt: hier kommen meine Tipps für Segeleinsteiger und die, die es werden wollen:

Segeln? Ist das überhaupt etwas für mich?

Diese Frage solltest du dir zu allererst stellen. Grundsätzlich solltest du gerne draußen an der frischen Luft und recht wetterunempfindlich sein.

Ich selbst bin zum Segeln eigentlich eher wie die Jungfrau zum Kinde gekommen. Mein Bruder war mit meinem Vater schon mit 14 Jahren regelmäßig auf Törns unterwegs und im PSV Unna tätig. Nach jahrelanger Pause spinnen er, seine Frau und ich uns schließlich 2011 eine Schnapsidee zusammen:

„Wir drei zusammen auf einer Yacht im Mittelmeer vor Malle- das wäre doch was!“

Schon bei Andy und mir hat man ja sehen können: Schnapsideen sind meist die besten!

Mein Bruder und ich meldeten uns also im Verein an- ich als Neumitglied, mein Bruder quasi als Wiederkehrer. Und so saß ich im Winter 2011 in meiner ersten Theorieunterrichtsstunde ohne zuvor auch nur einen Fuß auf eine Jolle gesetzt zu haben… das war schon hardcore und würde ich dir so nicht unbedingt empfehlen. Im Grunde genommen habe ich meine praktischen Prüfungen (für den Motorbootschein und den Binnensegelschein) nur durch stumpfes Auswendiglernen bestanden- später in den Praxisstunden habe ich dann erst so allmählich verstanden, was ich da in meinen Schädel hereingeprügelt hatte.

Mach´s schlauer als ich:

Informiere dich mal in einem Verein in deiner Nähe. Oft bieten die Schnupperfahrten oder -Stunden an. Auch ohne Know-How und besondere Ausrüstung kannst du entspannt ruhig mal mit einem erfahrenen Segler mitsegeln und schauen, ob es dir Spaß macht! In unserem Verein laden wir Interessenten gerne zu unserem Stammtisch ein, um erste Kontakte knüpfen und sich dann auch für eine Fahrt auf der Möhne verabreden zu können.

Es gefällt dir! Was nun?

Möchtest du einfach nur mitsegeln, oder vielleicht auch selbst einmal ein Boot chartern? Diese Frage solltest du dir dann stellen. Grundsätzlich brauchst du in Deutschland keinen Schein, um zu segeln (Ausnahmen gibt´s zum Beispiel in Berlin). Hat das Boot einen Motor, kannst du es auch noch problemlos fahren, insofern der Motor weniger als 15 PS hat. Ab 15 PS brauchst du auf jeden Fall schon einmal einen Motorbootschein. Aber auch wenn du ein Boot chartern willst, wirst du ohne Schein nicht auskommen- denn dein potenzieller Vercharterer möchte natürlich sicher gehen, dass du auch weißt, was du da tust mit seinem Boot- klingt logisch, oder? Ist ein Funkgerät verbaut, wirst du zusätzlich einen Funkschein nachweisen müssen.

Ich selbst habe einen Motorbootschein, den Binnensegelschein und die Theorie vom Sportküsten-Schifferschein (SKS). Würde ich mir zutrauen, eine Yacht komplett alleine zu segeln? Nein.

Dafür fehlt mir die Routine- ich bleibe erst einmal Mitsegler. 😉  Auch als Mitsegler kannst du ja durchaus jederzeit ans Ruder. Die Verantwortung für Boot und Crew trägt der Skipper und er entscheidet auch, ob du fit genug bist, um alleine da hinten rumzuwühlen, oder ob er lieber erst einmal in deiner Nähe bleibt.

Über meine Scheine bin ich dennoch froh. Wenn ich überlege, ich hätte all dieses Hintergrundwissen nicht und könnte dennoch einfach so legal durch die Gegend schippern und andere Verkehrsteilnehmer und auch meine eigene Crew gefährden… eigentlich unfassbar.

Auch ohne Schein darfst du ans Ruder... manchmal etwas wilder...
Auch ohne Schein darfst du ans Ruder… manchmal etwas kalt und wilder…
...machmal ruhig und warm.
…machmal warm und ruhig.

Dein erstes Mal an Bord- was du wissen solltest

1. Dein Skipper ist dein Boss!

Was er sagt, wird gemacht, was er nicht sagt, wird nicht gemacht. Ganz wichtig ist, dass du zwar durchaus eigenständig denkst und deinen Skipper auch auf Sachen hinweist, die dir auffallen, dass du aber nie einfach so irgendetwas machst. Niemand an Bord macht einfach so irgendetwas.- Auch der Skipper kündigt seine Aktionen an, damit alle vorbereitet sind- entweder zum Mithelfen, oder auch, damit zum Beispiel ein durch Wende oder Halse herumdrehender Baum niemanden hinterrücks erwischt- im wahrsten Sinne des Wortes… Im Zweifelsfall wird jede Hand an der richtigen Stelle gebraucht, viele Dinge greifen ineinander über.

2. Lerne ein bisschen Seglerlatein

In meiner ersten Theoriestunde habe ich nichts verstanden… was nicht an der Schwere des Stoffs lag, sondern vielmehr an den ganzen Vokabeln und Kommandos „…dann killt dir das Achterliek…“ „…hol die Fock dichter…“ „…fier die Großschot mal etwas…“ „…luv an!“ In der Theorie geht´s noch. Wenn du an Bord bist, kommt ein „Hä?!?“ im Zweifelsfall aber nicht so gut…

Hier habe ich eine tolle Übersichtstabelle für dich gefunden mit den wichtigsten Begriffen.

3. Übe ein paar Basisknoten

Ein paar Knoten solltest du kennen. Besonders wichtig ist , dass du herumliegende Leinen vernünftig aufschießen kannst, du solltest eine Klampe belegen können und den Achterknoten für Leinenenden, sowie einen Rundtörn zum Ausbringen der Fender beherrschen. Eine Knotentafel zum Üben findest du hier.

Knoten muss man können können...
Knoten muss man können können…

4. Deine Grundausstattung

Wenn du nur ab und an etwas schönwettersegeln auf einem See willst, brauchst du nicht viel. Es reichen ein Paar saubere Schuhe mit heller und vorzugsweise rutschhemmender Sohle, Sonnencreme sowie ein Paar Segelhandschuhe. Ich habe ein Paar mit offenen Fingern von Gill- die sind unschlagbar gut! Ein günstiges Paar mit geschlossenen Fingern habe ich mal bei Decathlon gekauft- darin habe ich mir eine Ecke an der Hand wundgeschubbelt…. probier sie auf jeden Fall vor dem Kauf vernünftig an! Eine Sonnenbrille ist ebenfalls wichtig: das Wasser reflektiert! Wenn du am Ruder bist, schaust du außerdem oft nach oben, um den Verklickerer im Blick zu haben- dabei kannst du dir ohne Brille schnell die Augen verblitzen!

Rutschfeste Schuhe, Sonnencreme und Sonnenbrille sind deine Must-Haves
Rutschfeste Schuhe, Sonnencreme, Segelhandschuhe und Sonnenbrille sind deine Must-Haves

Wenn es auf einen Mehrtagestörn geht denk zusätzlich an:

*Gummistiefel – je nachdem wo es hingeht gefüttert oder ungefüttert

*Thermounterwäsche – auf dem Wasser ist es oft kälter, als man denkt. Außerdem bist du im Zweifelsfall viele Stunden am Stück draußen und sitzt überwiegend, dass heißt dein Körper kann schnell auskühlen.

*Ölzeug – wenn du nicht gleich so viel Geld ausgeben willst, kauf dir zumindest eine günstige wasserdichte Hose und eine Wind- und Wasserundurchlässige Jacke.

*eine Kopfbedeckung – wenn die Sonne rauskommt, kannst du dir sonst schnell einen Sonnenbrand auf dem Scheitel einfangen (ich spreche aus Erfahrung…)

*eventuell eine Automatik-Rettungsweste. Wenn du auch hier nicht gleich so viel Geld in die Hand nehmen willst, frag mal in deinem Bekanntenkreis oder bei deinen Mitseglern nach, ob du dir eine ausborgen kannst. Oft sind auf Charterbooten keine Westen vorhanden- oder aber es sind diese schrecklich unbequemen riesen-Feststoffwesten.

Wenn es auf deinen ersten Törn geht, solltest du noch an ein paar zusätzliche Dinge denken
Wenn es auf deinen ersten Törn geht, solltest du noch an ein paar zusätzliche Dinge denken

Ansonsten ähnelt Segeln ein bisschen einer Campingtour. Du hast wenig Platz an Bord und duschst in öffentlichen Waschbereichen im Hafen- also nimm nicht zu viele Sachen mit! Unter So packst du´s leichter findest du einen Verweis auf unsere Packlisten und wie du dein Gepäck reduzieren kannst- zwar bezogen auf´s Backpacking- aber im Grunde musst du nur ein bisschen was weglassen (z.B. die Bali-Hose 😉 ) und noch die hier o.g. Must-Haves hinzufügen. Für meine 4 Tage Holland habe ich meinen 50 Liter-Trekking-Rucksack genommen (Weste, Stiefel, Ölzeug, warme Klamotten… alles mit drin) und für die eine Woche Kroatien auch.

Du möchtest Segeln lernen?

Segeln lernen kannst du auf viele verschiedene Arten. Es gibt sogar Anbieter, bei denen du einen kombinierten Segel- und Prüfungsurlaub buchen kannst. Das ist bestimmt eine coole Sache, weil du in kurzer Zeit extrem viel lernst und noch dazu Praxis und Theorie toll miteinander verknüpft werden.

Der Nachteil: wenn du zurück daheim bist, kommst du so schnell erst einmal nicht mehr auf´s Wasser- vieles wirst du bald wieder verlernt haben.

Segeln lernen im Verein kann dann die Alternative sein. Toll am PSV finde ich, dass der komplette Unterricht für Mitglieder kostenlos angeboten wird (schau hier mal nach den Preisen und Angeboten). Ich habe lediglich einmalig die Aufnahmegebühr gezahlt, das Unterrichtsmaterial und dann natürlich noch die üblichen Prüfungsgebühren. Unsere Vereinsjollen liegen an der Möhne und können von Mitgliedern während der Saison kostenlos reserviert und genutzt werden.

Der Nachteil: in der Regel machst du erst die Theorie, während die Boote noch im Winterlager sind, und dann losgelöst davon nachträglich im Sommer die Praxis.

Praxiswochenenden finden aber im Sommer regelmäßig statt. Du kannst dich also als Mitglied hier sicher auch schon im Sommer einklinken und vorab etwas Praxiserfahrung sammeln, ehe es dann im Herbst in den Unterricht geht- das macht es dir dann hinterher einfacher alles zu verstehen.

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Mehr Infos?

Wow schau mal hier rum: http://www.bruderleichtfuss.com/segeln/ Bei Bruder Leichtfuss findest du eine super-umfangreiche Rubrik zum Thema Segeln und Mitsegeln inkl. EPaper mit Tipps für Mitsegler!

Jetzt wieder du

Fehlen dir noch Infos? Oder bist du bereits segelerfahren und hast noch Ergänzungen? Wäre klasse, wenn du die dann in unsere Kommentare posten würdest! Wir freuen uns riesig auf Tipps, Fragen und Erfahrungen und ich sage erst einmal

Bis bald

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Deine Miri

Verfolgen Miriam:

Hi, ich bin Miriam. Zusammen mit Andy reise ich seit 2012 in jeder freien Minute in der Weltgeschichte herum und freue mich über viele tolle Reisefotos und Eindrücke. In den Artikeln, die ich schreibe, berichte ich über Produkte, die ich getestet oder Erfahrungen, die ich losgelöst von unseren gemeinsamen Touren gemacht habe.

Senf dazu geben? Her damit!