Die Wasserfalle – ein Tagesausflug nach Ouzoud
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Die Wasserfalle – ein Tagesausflug nach Ouzoud

Wie eingeplant, hatten wir im Hotel direkt am ersten Abend einen Tagesausflug ins Inland gebucht. Wir entschieden uns für einen Trip nach Ouzoud zum berühmten großen Wasserfall.

„Sie werden dorthin gefahren, der Fahrer hält gerne überall, wo sie Fotos machen möchten. Mittags werden sie dort ankommen. Sehen sie dieses Restaurant?“ die Hotelangestellte zeigte uns ein Foto von einem hübschen rot getünchten Gebäude „Dort können Sie ein leckeres Mittagessen für 50 Dirham vorbestellen und haben dann drei Stunden Zeit sich das Berberdorf anzuschauen und zum Wassserfall zu wandern. Wenn sie zurückkommen ist ihre Tajine fertig und sie können essen. Anschließend werden sie zurück zum Hotel gebracht.“ Das klang gut!

Nun war es soweit. Um halb acht wurden wir mit einem Minivan vor der Tür eingesammelt. In der Altstadt mussten wir schließlich in einen anderen Van umsteigen. Eine Stunde später waren wir komplett. Unsere Gruppe bestand aus ca. 10 Leuten unterschiedlichster Nationalitäten. Der Fahrer redete kaum mit uns. An einer Tankstelle machten wir nach ca. 2 Stunden Rast, ehe es weiter ging. Fotostopps waren wohl doch nicht eingeplant. Egal, wir hielten die Gopro so ans Fenster, dass sich nichts spiegelte.

Mittags dann die Ankunft. Offenbar. Der Van bog von der Hauptstraße in einen holprigen Nebenweg ein. Ein paar Meter weiter stoppte unser Transport. „Sind wir da???“ Wir standen in einem Schlammloch auf einem Schlammplatz, augenscheinlich mitten in der Pampa. Der Fahrer unterhielt sich mit einem Landesgenossen. Wir wurden aus unserem Transportfahrzeug entlassen. Der zweite Mann deutete an, dass wir uns um ihn versammeln sollten. „Hi, ich bin Tarzan und ich werde heute euer Guide sein.“ sprach er in klarem Englisch. „Hä? Doch eine geführte Tour?“ wunderten wir uns. „Ah, ihr seid auch deutsch? Ja, so hatte man es mir in meiner Unterkunft gesagt… mit Führung“ ein kleines Mädel in unserem Alter hatte sich zu uns gesellt. „Ich führe euch hier herum, erkläre euch was über die Berber, denn ich bin selbst auch Berber, und wenn ihr mögt machen wir eine 3,5 Stündige Rundwanderung zum Wasserfall und zurück, so dass ihr möglichst viel von Ouzoud seht.“ Das klang gut. „Dafür gebt ihr mir dann hinterher 3 EUR pro Person“ „Typisch- vor Ort noch zusätzlich abzocken!“ ärgerte sich das Mädel. Wir waren orientierungslos. Der komplette Tross setzte sich in Bewegung. „Wir gehen mal mit… drei EUR tun uns ja nicht weh, wenn wir dafür viel sehen…“ Kurz darauf erreichten wir einen Markt. „Ist das das Dorf?“ fragte sich Miri. Keine Zeit. Der Tross hastete weiter. Wir hätten hier gerne noch etwas gestöbert und auch Fotos gemacht. Überall frisches Obst und Gemüse, Eselkarren und einzelne Esel, die für die Touristen angebunden standen und geduldig warteten.

Überall warteten Esel geduldig auf Touristen oder darauf, ihren Job zu machen.
Überall warteten Esel geduldig auf Touristen oder darauf, ihren Job zu machen.
Touristenvorführung. Auf unserem Weg nach Ouzoud haben wir allerdings gesehen, dass man hier tatsächlich sein Feld teilweise noch mit Eseln bestellt und Esel auch weitergehend noch als Transportmittel dienen.
Touristenvorführung. Auf unserem Weg nach Ouzoud haben wir allerdings gesehen, dass man hier tatsächlich sein Feld teilweise noch mit Eseln bestellt und Esel auch weitergehend noch als Transportmittel dienen.

Eine weitere Gruppe vermischte sich mit uns. Die beiden Guides schienen sich zu kennen. „Ihr seid so gut drauf! Ihr lacht soviel, wir beide freuen uns so darüber, dass wir etwas Besonderes mit euch vorhaben: wir gehen den längeren Weg mit euch! Normalerweise kämen wir jetzt gleich an eine Brücke, aber wir machen einen kleinen Umweg, so dass ihr mehr vom Wasserfall sehen könnt!“

Wir sahen keine Brücke. Wir sahen auch keinen alternativen Abzweig.  „Nepp“ meinte Andy. Eine Frau in samtbezogenen Stöckelschuhen kraxelte vor uns herum durch den steinigen Lehm. „Die hatte sich die Tour hier wohl auch anders vorgestellt, wer weiß was man der im Hotel gesagt hatte…“ schmunzelte Miri, die allerdings zugegebener Maßen auch keine Wanderkleidung- und Schuhe eingeplant hatte. Über Stock und Stein ging es hinab. Die ersten Stromschwellen zeigten sich. Die Fotoapparate wurden gezückt.

Pause.

Wasserfall in Ouzoud
Wasserfall in Ouzoud
"Da hinten gibt es eine Brücke, aber ich gehe den weiteren, schöneren Weg mit euch, weil ihr so toll seid..."
„Da hinten gibt es eine Brücke, aber ich gehe den weiteren, schöneren Weg mit euch, weil ihr so toll seid…“

Dann weiter zur nächsten Aussicht.

Wunderschön.

Wieder Pause.

"Für zwei Euro pro Person bringen euch die Berber in ihren wunderschönen Berberboten ans andere Ufer..."
„Für zwei Euro pro Person bringen euch die Berber in ihren wunderschönen Berberboten ans andere Ufer…“

Schließlich erreichten wir den Fuß des Wasserfalls. Imposant schossen die Wassermassen vor uns herab. „So. nun müssen wir den Fluss überqueren. Die Berber hier haben extra für euch wunderschöne Berberboote gebaut. Sie bringen euch jetzt ans andere Ufer. Das kostet 2 EUR pro Person.“ Wir guckten uns an. Miri war sauer „Ich hätte auch 50 EUR für diese Tour bezahlt, aber diese Hintenrumabzocke, das kotzt mich gerade an…“ „Wir wollen nicht Boot fahren. Wie kommen wir über die Brücke auf die andere Seite?“ versuchte es Andy beim Guide. „Jetzt ist es zu spät! Ich hatte euch vorhin gesagt, wir können die Brücke nehmen oder den längeren schöneren Weg und ihr habt euch für den schöneren entschieden. Jetzt müsst ihr hier rüber und zahlen!“ Wer hatte sich  für den längeren Weg entschieden? Lasst uns kurz überlegen…

Wir waren angefressen. Der Guide gab seinen Leuten ein Zeichen- offenbar sollten sie uns genauer im Blick behalten beim späteren Bezahlvorgang. Auf dem Boot redete er aggressiv auf uns ein „Ihr reichen Deutschen, ihr wisst ja gar nicht, wie die Leute hier leben, die haben extra für euch diese schönen Boote gebaut und ihr wollt ihnen noch nicht einmal 2 EUR dafür geben! 2 EUR, dass ist doch lächerlich für euch, ihr müsst mal sehen, wie schlecht es denen hier geht….“  Wir waren hochgradig genervt. Wir hätten den Leuten hier auch 5 EUR gegeben, und hätten diese Tour- wie gesagt- auch für 15 EUR mehr gebucht. Aber jetzt gerade fühlten wir uns genötigt und verschaukelt. Ihm das zu erklären erschien uns müßig und wir ließen die Moralpredigt über uns ergehen. Auf der anderen Seite hatten wir direkt zwei Berber rechts von uns und zwei links von uns. Sie geleiteten uns zum Kassentischchen. Bei unseren Mitstreitern: gemischte Gefühle. Die einen regten sich mit uns auf, die anderen fanden das alles total toll und gaben sogar mehr als die geforderten 2 EUR. Schön, wenn man nicht merkt, dass man gemolken wird, das macht das Leben in der Regel entspannter.

Eigentlich ist´s ja doch ein schöner Tag!
Eigentlich ist´s ja doch ein schöner Tag!

Wir gehen weiter. Ehrlicherweise müssen wir sagen: die Bewegung an der frischen Luft tut uns gut, das Wasserfallpanorama ist traumhaft. „Wo mag denn das Restaurant sein? Ich hätte langsam auch etwas Hunger“ meinte Miri. „Wir kommen jetzt gleich zu einem Restaurant da haben wir schon ganz tolles landestypisches Essen für euch vorbereitet“ rief der Guide, als ob er unsere Gedanken gelesen hatte.

Unter einem Laubdach warteten einige Plastiktische und Stühle auf uns. Niemand sonst da. „Was wollt ihr essen? Es gibt Menü mit Salat, Brot, Oliven und einer Tajine mit Lamm oder Huhn. Zum Nachtisch bekommt ihr frisches Obst.“ „Klingt erst mal ganz gut“ freuet ich Miri. „aber das Restaurant von dem Foto ist das nicht…“ „Was soll´s denn kosten?“ fragte Andy. „110 Dirham pro Person“ kam prompt die Antwort. „110 Dirham sind 60 Dirham mehr, als das Restaurantessen gekostet hätte“ Wieder einmal waren wir alternativlos. Wer weiß, wo das Restaurant wohl sein mag… wir orderten ein Menü. Das Essen war mittelmäßig. Auf den Tellern der anderen sah es nicht besser aus. Die Katzen freuten sich über zahlreiche Reste. „Ey, die wussten schon, dass wir hier heute einkehren würden, da wussten wir noch gar nicht, dass wir hier heute herkommen würden“ scherzte Miri.“Die wussten schon, dass wir hier heute einkehren würden, da wussten wir noch gar nicht, dass wir nach Marokko fliegen“ legte Andy noch einen drauf. Wir lachten.  „Komm, wir zahlen schon mal und schauen uns auf eigene Faust etwas um“ wir sprachen mit den Typen, die uns das Essen gebracht hatten. Sie nahmen das Geld, ,wir drehten uns um zu gehen. „Ey, wo wollt ihr hin??? Ihr könnt nicht alleine weiter!“ rief der Guide von hinten. Andere sahen uns und wollten sich uns anschließen. Die Männer bedeuteten uns, zu warten. Guide Nr. 2 kam zu uns. „Wenn ihr jetzt schon gehen wollt, komme ich mit euch.“ Wir waren genervt.- Aber egal. Man hatte wohl Angst um seine 3 EUR. Wenige Meter weiter erreichten wir einen befestigten Weg. Uns stockte der Atem. Was für ein Ausblick, das war ja sensationell!!! Mächtig stürzten die Wassermassen hinab in die Tiefe, der Regenbogen schimmerte faszinierend im Wassernebel. zahlreiche Äffchen hatten sich hier auf der Plattform niedergelassen und bettelten um ein paar Erdnüsse. Was für ein Spaß!

Viele kleine Affen betteln um Bananen und Nüsse
Viele kleine Affen betteln um Bananen und Nüsse
Menschen bespringen macht aber auch Spaß
Menschen bespringen macht aber auch Spaß
Von hier aus ist der Blick fantastisch!
Von hier aus ist der Blick fantastisch!

Schließlich führte uns der Weg vorbei an bunten Verkaufsständen. Keine Zeit zu schauen, außer uns waren auch keine Touristen hier, so dass die Stände teilweise gar nicht besetzt waren.

Der Weg wurde breiter. Wir traten durch eine Art Portal. „Unfassbar“ stammelte Miri. „Weißt du was das hier ist?“ Andy schaute sich um. „Ein riesengroßer sauber gepflasteter Busparkplatz“ „Und das dort hinten?“ „Das Restaurant vom Foto.“ „Das hier ist der Haupteingang“ Miri packte sich an den Kopf. HIER hätten wir eigentlich hingebracht werden sollen. Einige Meter weiter erreichen wir die Hauptstraße. „Und dort hinten, da geht ein schmaler Weg rein, ich wette mit dir, da hinten hinter den Büschen stehen die beiden Vans…“ Wir sind fassungslos. Die beiden Guides schwingen eine Abschiedsrede. Aus den Augenwinkeln fixieren sie uns. Fertig. Dann springt der eine von ihnen als erstes auf uns zu, um seine 3 EUR einzusacken. Wir zahlen. Beim Einsteigen in unseren Van sehen wir wie er unserem Busfahrer Geld in die Hand drückt. Uns geht ein Licht auf. „Der hat schön unseren Fahrer geschmiert, damit er uns hier in der Pampa rauslässt, wo wir orientierungslos und leichte Beute für ihn waren.“ Jetzt strahlt es uns direkt ins Gesicht. Im gleißenden Lichte der Erleuchtung geht es auf den Heimweg.

Unser Fazit 

Wir hatten trotzdem einen echt tollen Tag und haben viel gesehen! Noch schöner wäre er natürlich gewesen, wenn wir nicht immer wieder den bitteren Beigeschmack des Wir-haben-uns-abziehen-lassen-Gefühls auf der Zunge gehabt hätten, aber nun gut, man muss auch mal über sich selbst schmunzeln können 😉

Unsere Tipps für dich

  1. Erkundige dich an mehreren Stellen ehe du eine Tour buchst, recherchiere möglichst vorher im Internet und tausche dich mit anderen aus, damit du weißt, was dort auf dich zukommt.
  2. Überlege dir genau, was dir wichtig ist zu sehen. Wenn dir jemand anbietet, dich herumzuführen frag ihn vorher genau, was er dir alles zeigen wird und welche extra-Kosten noch auf dich zukommen werden. Sag ihm genau, was du gerne sehen willst und sprich mit ihm ab, ob er dir das auch zeigen wird. So steht er bei dir im Wort. Wir hätten z.B. vorher abklären sollen, dass wir gerne in dem benannten Restaurant einkehren und das Berberdorf richtig sehen wollten. Wenn er sich hier nicht auf konkrete Vereinbarungen einlässt: Finger weg, weitergehen.
  3. Hab keine Angst, sei Neugierig! Als wir uns mit dem Van mitten in der Pampa wiederfanden und alle anderen plötzlich hinter dem vermeidlichen Guide hinterhertrotteten setzte bei uns der Herdentrieb ein. Eine vollkommen menschliche Reaktion. Sei auf so etwas vorher schon vorbereitet. Nimm dir die Zeit, dich zu orientieren, die du brauchst. Beachte Punkt Nr. 2. Wenn das Angebot des Guides nicht deinen Vorstellungen entspricht, hab keine Angst alleine loszuziehen. Wir hatten aus dem Augenwinkel die Hauptstraße gesehen, von der aus wir in den Matschweg eingebogen waren. Sie war wirklich nicht weit weg und wir hätten gut dorthin zurückgehen und jemanden nach dem Wasserfall fragen können. Frag beim Fahrer nach, wann er zurückfahren möchte und mach einen Zeit- und Treffpunkt aus. Dann streife umher und frage ein paar vertrauenswürdige Leute nach dem Weg. Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass die „normale“ Bevölkerung in der Regel eigentlich total hilfsbereit ist und sich über Kontakte mit Fremden freut. Alleine kannst du dann auch besser entscheiden, was du dir anschaust und wie lange du jeweils dort bleiben möchtest. – Diese Erfahrung hatten übrigens auch zwei Mädels gemacht, die im Hotel eine vierstündige Stadtführung durch die Souks gebucht hatten. Der Guide führte sie lediglich an die Orte, wo er Zusatzgeschäft witterte und irgendwelche Abmachungen mit Händlern hatte. Am nächsten Tag waren sie dann auf eigene Faust mit Marco Polo Reiseführer unterwegs und haben -so wie sie uns beim Abendessen erzählten- viel mehr gesehen als am Vortag und konnten noch dazu nette Kontakte zu Einheimischen knüpfen.

Jetzt bist du dran: Was für Erfahrungen hast du schon in Marokko gemacht? Welche Infos wünschst du dir noch von uns? Welche Ergänzungen hast du? Wir freuen uns auf deine Kommentare zu diesem Artikel!

Du möchtest lesen, was wir sonst noch in Marrakesch erlebt haben? Dann schau hier:

Ein Abend in… Marrakesch. Die Ankunft.

Ein Tag in… Marrakesch. Von Störchen, Gauklern und Ganoven.

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Eine Antwort

  1. […] Die Wasserfalle – ein Tagesausflug nach Ouzoud […]

Senf dazu geben? Her damit!