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Die Eine Weihnachtsgeschichte

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Es begab sich aber zu der Zeit, als der Islamische Staat größere Gebiete im Irak und in Syrien beherrschte und sich neun Millionen Syrer auf der Flucht vor Terror und Unterdrückung befanden.

Da machte sich auch Kalil aus dem Gouvernements Rif Dimaschq aus Damaskus auf über die Grenzen des Landes mit seiner Frau Safiye, die schwanger war und Angst um ihr Kind hatte.

Doch hinter der Grenze war es voll, denn viele Syrer waren auf der Suche nach einem besseren Leben.

Und als sie dort angekommen waren, kam die Zeit da Safiye gebären sollte.

„Lasst mich ein, meine Frau ist hoch schwanger und erwartet unser Kind“ bat Kalil einen Einheimischen.

„Was soll ich? Euch hereinlassen? Weiß denn ich, ob ihr nicht islamistische Terroristen seid?“ schallte es ihnen entgegen.

„Bitte! Habt ihr eine Unterkunft für uns? Meine Frau erwartet unser Kind und wir brauchen ein Lager für die Nacht!“ Kalil versuchte es an der nächsten Tür.

„Macht euch weg, ihr Gesinde! Geht dahin, wo ihr her gekommen seid!“ auch der Nachbar schlug ihnen die Tür vor der Nase zu.

Und er zog weiter von Haus zu Haus, auf der Suche nach einer warmen und trockenen Herberge für die Nacht, aber niemand wollte ihn und seine Frau hereinlassen.

Da sie aber ans Ende des Dorfes gelangten, fanden sie einen alten Bauernhof vor sich. „Bitte! Lasst uns ein!“ sprach Kalil mit letzter Hoffnung zu dem alten Mann, der ihnen öffnete.

„Einlassen kann ich euch nicht, denn ich habe meine Familie hier und sonst keinen Raum im ganzen Haus. Aber nebenan, da ist meine Wiese. Und ein Zelt mit zwei Isomatten und einer Decke habe ich noch im Keller herumliegen, das kann ich euch geben. Dann habt ihr zumindest erst einmal ein Dach über dem Kopf.“

Und in der Nacht gebar Safiye ihre erste Tochter und wickelte sie in Windeln und legte sie in die Decke, denn es war nichts anderes da.

Und es waren ehrenamtliche Helfer und auch welche von der AWO und Caritas in derselben Gegend. Und als sie von der Geburt erfuhren, kamen sie eilend und fanden beide, Safiye und Kalil, dazu das Mädchen in der Decke liegend, und taten ihre Taschen auf und schenkten ihnen frisches Brot, Tee und Wurst, dazu einige zusätzliche warme Decken und Kissen.

Und die Moral von der Geschicht?

Nun ja- Safiye hat vermutlich eher keinen Heiland geboren.

Aber sie und ihr Mann sind gute Menschen, die auf der Flucht vor Schrecklichem und auf der Suche nach einem Willkommen waren.

Lange haben sie gesucht und letztendlich wurden sie fündig.

Und wenn wir in den nächsten Tagen im Kreise unserer Lieben am gedeckten Gabentisch sitzen, vor dem Fenster der leuchtende Baum, auf unseren Tellern die duftende Gans, lass uns nicht vergessen, dankbar für das zu sein, was wir haben: ein Leben in Sicherheit, ein gutes Sozialsystem, Freunde, auf die wir uns verlassen können, Familie, die hinter uns steht, dass wir offen unsere Meinung sagen und uns überall frei und ohne Angst bewegen können.

Und wenn uns jemand wie Kalil und Safiye sagt „Bitte! Lasst mich ein!“ ist es da schlimm, ihm ein Stückchen von der Gans abzugeben? Ihm eine Kerze vom großen Baum anzuzünden? Ihm zu zeigen: Du hast zwar keine Familie und keine Freunde mehr, aber ich helfe dir?

Lass uns den Kalils und Safiyes der Welt nicht die Tür vor der Nase zuschlagen!

Lass sie uns willkommen heißen!

…und manchmal reicht dazu schon ein warmes Dach über dem Kopf, eine gute Tasse Tee, ein frisches Stück Brot und eine weiche Decke…

Dies ist EINE Weihnachtsgeschichte. Mach du dir deine eigene.

Übrigens: wenn du Zelt, Tee und Brot gerade nicht an den Mann oder an die Frau bringen kannst, dann kannst du hier auch gerne mit deiner Spende anderen helfen das zu tun:

http://www.blogger-fuer-fluechtlinge.de/spenden/geld-spenden/

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Frohe Weihnachten

…und alles Liebe

Bildschirmfoto 2015-05-03 um 18.48.34

Eure Miri


Anm.

Ganz bestimmt darf man die ganze Flüchtlingsthematik nicht völlig unkritisch betrachten und ganz bestimmt wird es so langsam Zeit, stärker an den Ursachen zu arbeiten, bzw. ihnen entgegenzuwirken, ehe wir den Auswirkungen irgendwann nicht mehr Herr werden können. Dennoch möchte ich mir nicht vorstellen wie es ist, wenn der Vater ermordet, die Schwester versklavt und die Mutter verschleppt wird, wenn ein falsches Wort auf offener Straße Gefängnis oder sogar den Tod mit sich bringt. Du? Würdest du nicht auch vor so etwas davon laufen wollen? Und wärst du dann nicht auch unendlich glücklich, wenn dir jemand die Hand zur Hilfe reicht?

Verfolgen Miriam:

Hi, ich bin Miriam. Zusammen mit Andy reise ich seit 2012 in jeder freien Minute in der Weltgeschichte herum und freue mich über viele tolle Reisefotos und Eindrücke. In den Artikeln, die ich schreibe, berichte ich über Produkte, die ich getestet oder Erfahrungen, die ich losgelöst von unseren gemeinsamen Touren gemacht habe.

Senf dazu geben? Her damit!