Cuba libre in HAVANNA – ein heißes Pflaster
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Cuba libre in HAVANNA – ein heißes Pflaster

Wir haben einfach den Daumen rausgehalten. Aber irgendwie sind wir nicht abgeholt worden…


Es ist elf Uhr Abends, als unser Taxi vor unserem Hostel hält. Ein illustrer Trupp, Vater, Sohn und Freund des Sohnes, haben uns hierher gebracht. Nachdem wir uns mit Bargeld am ATM eingedeckt hatten, waren die meisten Taxen am Flughafen schon auf Tour. Das quietschgelbe, klapprige Gefährt war unsere letzte Option. Auch sie würden nun ihre letzte Fahrt zurück in die Stadt mit uns machen.

Wir quetschen uns mit unseren Backpacks in den engen Fahrerraum. Gefühlt setzt die Karosserie gleich auf den Boden auf. Schweres Gepäck haben wir dieses Mal dabei, denn Cuba wird nicht der einzige Stopp unserer Reise sein, die hier beginnt. 9 lange Wochen voller Abenteuer liegen vor uns in verschiedenen Klimazonen, mit Zelt und Kochgeschirr und mit vollem Kamera- und Technikequipment.

Die drei Kubaner sind gut gelaunt. Englisch sprechen sie nicht. Miri holt ihre letzten Brocken Spanisch aus dem Hinterstübchen, die noch vom Crashkurs des letzten Jahres übrig geblieben sind. Manana… cuarenta… sole… einer von ihnen zeigt nickend in den Himmel. Ok. stellen wir uns auf den ersten krassen Klimawechsel des Urlaubs ein. Vor zwei Tagen waren wir noch im nordischen Dänemark bei 23 Grad und angenehmen Wind, morgen wird uns nun ein ganz anderes Kaliber erwarten. Tropische 40 Grad, ein heißes Pflaster

Doch zu allererst wollen wir etwas trinken. 14 Stunden sind wir nun schon unterwegs. Unsere Nalgene Flaschen* hatten wir zuletzt im Flughafen Frankfurt gefüllt, von wo es weiter Richtung Havanna ging.

Am Hauseingang werden wir von einer alten Dame empfangen. Sie bringt uns in den 11. Stock in die Wohnung des Hostel- Inhabers. Sein Hostel- das ist eine umgebaute Wohnung zwei Stockwerke unter seiner. Viele verdienen sich so etwas Geld hinzu. Seine Unterkunft ist nicht die einzige in diesem Haus. Mit unseren Backpacks zwingen wir uns also erneut in den Fahrstuhl.

Das Zimmer werden wir uns mit einem Holländer und drei anderen Deutschen teilen. Wir quatschen ein wenig, ehe wir uns auf die Suche nach einem Kiosk oder Supermarkt machen. Ein paar Meter weiter werden wir fündig. Hell erleuchtet ist der Laden, seine Regale sind voll. Jedoch lediglich mit zwei Produkten: Cola und Fanta. Kein Wasser. In der Eistruhe: Schokoeis. Eine Marke, eine Sorte. Aqua? Fragen wir zaghaft. Man schüttelt den Kopf. Durstig kehren wir ins Hostel zurück und kuscheln uns ein.

Am nächsten Morgen klingelt der Wecker früh, denn etwas Ungeplantes steht noch auf unserem Tagesplan: Bustickets kaufen. In zwei Tagen wollen wir nämlich einen klassischen Flitterwochen- Stop einlegen. In einem richtigen Hotel an einem richtigen Karibikstrand- man gönnt sich ja sonst nichts.

Dass wir die Bustickets unbedingt mindestens einen Tag vorher kaufen müssen, weil der Bus sonst voll sei- darauf hatte uns unser Hostelbesitzer aufmerksam gemacht. Wir ärgern uns etwas, wollten wir doch den ganzen Tag in Havanna verbringen, um möglichst viel zu sehen. Nun gut. Los geht´s erst einmal in die entgegengesetzte Richtung vom Zentrum. Angeblich könnten wir den Linienbus bis zur zentralen Busstation nehmen, die ca. 4 km entfernt sein sollte. Wir gehen zur Hauptstraße. Keine Bushaltestellen in Sicht, wir laufen erst einmal in die richtige Richtung. Notfalls halten wir ihn an, wenn er an uns vorbeirauscht. Doch wir sehen keinen Bus. Einige Colectivos kreuzen unseren Weg, wir halten die Hand raus. So macht man das hier, wenn man eine Mitfahrgelegenheit sucht. Zu festen Preisen fahren sie auf den Hauptstraßen, meist sind es diese alten schicken Amerikanischen Wagen, an die man sofort denkt, wenn man Kuba hört. Nur nicht so hübsch gepflegt und aufpoliert. Das kann man sich hier nicht leisten, in den schicken Autos werden die Touristen für viel Geld durch die Innstadt vorbei an den Sehenswürdigkeiten kutschiert.

Wir halten also die Hand raus, man hupt und winkt freundlich- jedoch sind alle Wagen schon belegt. Zu viel los um diese Uhrzeit. Arbeitsbeginn.

Es beginnt zu regnen. Die Temperatur ist mittlerweile auf 30 Grad geklettert. Wir haben Durst. Noch immer kein Kiosk oder Supermarkt in Sicht. Auch kein Bus. Nach gut einer Stunde erreichen wir erschöpft die Zentrale Busstation. Wir buchen. Die Rückfahrt auch gleich dazu, sicher ist sicher. Ein Taxifahrer bietet uns an, uns zu einem unverschämten Preis in die Stadt zu fahren. Wir lehnen ab. Jetzt erst einmal etwas zu Essen und Trinken suchen.

Ein Imbiss kreuzt unseren Weg. Die Bedienung schüttelt lächelnd den Kopf. Es ist noch geschlossen.

Weiter geht´s. An einem kleinen Straßenmarkt werden wir fündig. Wir reihen uns in die Schlange der Einheimischen ein und bestellen einfach das gleiche, das jeder hier bestellt. Ein Brötchen mit etwas frittierten drin. Lecker. Der volle Magen verschafft uns direkt einen Schwung bessere Laune!

Ein paar Meter weiter finden wir schließlich einen Supermarkt. Glücklich stürmen wir hinein. Cuba libre, yeah! Hell erleuchtet sind die zahlreichen Regale. Was wir sehen überrascht uns. Rechts die ganze Regalwand voll mit genau EINER SORTE Omo Waschmittel, links alles voll mit genau ZWEI Sorten Schauma Shampoo… Die Kühlregale sind leer, teils zugedeckt. Vor Kopf noch eine Reihe in Betrieb, mit EINER Sorte Onken 500 Gramm Naturjoghurt.

Das also kann man hier kaufen! Riesige Mengen, winzige Auswahl. Natürlich werden wir beim Wasser fündig. Das begeistert uns sehr. Den Rest empfinden wir als eher beklemmend. So lebt der Kubaner also? In der Werbung Bilder von glücklichen tanzenden Menschen auf den Straßen in Karibischem Flair, im Supermarkt gähnende Auswahlleere. Braucht man eine überschwemmende Auswahl wie bei uns, um glücklich zu sein? Oder reicht es eben aus, wenn man einfach nur Naturjoghurt isst und sich beim Shampookauf nicht durch hunderte von Produktren kämpfen muss, um bloß die richtige Entscheidung zu treffen…

Nachdenklich stiefeln wir weiter. Wir sind müde. Wenig Schlaf und bereits 6 Kilometer auf den Beinen bei nunmehr guten 35 Grad, wenig gegessen und getrunken. Wir setzen uns auf einen Bordstein und warten auf ein leeres Colectivo, das uns in die Innenstadt bringen soll.

Ca 20 Minuten später ist es soweit! Wir sitzen weich und werden durch die Straßen geschaukelt. Ein Colectivo hat uns aufgenommen, wir sitzen zu sechst in dem kleinen klapprigen Wagen, von dem der Fahrer uns stolz erzählt, dass es Baujahr 1964 sei, der rechte Außenspiegel von Ford, der neue Motor aus China.

Havanna, wir kommen! Cuba libre!

Ein Blick aus dem Fenster lässt die Pracht vergangener Zeiten erahnen. Verfallene Kolonialbauten säumen unseren Weg. Ein wenig fühlen wir uns in die Altstadt von Panama City zurückversetzt.

Havanna wie man es sich vorstellt…

Havanna – unsere Tipps

Um möglichst flexibel unterwegs zu sein, haben wir uns für ein Hop-on-hop-off Ticket entscheiden. Gemütlich lassen wir uns durch die Vororte der Stadt fahren und genießen den kühlenden Fahrtwind der oberen Etage.

Kostenpunkt: 10 Dollar pro Person.

Über den Dächern von Havanna…
…frische Brise…
…und guter Überblick.

Wir haben das Gefühl, so einen guten Gesamteindruck von Havanna zu bekommen. Wir sehen Betonsünden der Vergangenheit, ein verfallenes Aquarium ohne Wasser, aber noch immer für Spaziergänger geöffnet. heruntergekommene Bauten, die in den 60ern höchst mondän und modern gewesen sein müssen, bummeln durch das Universitätsviertel, wo wir das beste Mittagessen EVER speisen- und das auch nur für unfassbare 1,5 Dollar pro Person und erreichen schließlich die Altstadt Havannas- unser persönliches Highlight!

Havannas Altstadt wie gemalt
Bunte Häuser, nette Menschen.
…Und natürlich jede Menge alte Autos.

Hier ist es schön! Aber nach alledem, was wir den Tag über gesehen haben, auch irgendwie nicht mehr authentisch. Doch das ist uns gerade egal. Wir genießen wunderschöne, kleine Gassen, gut gelaunte Menschen, nehmen ein Drink in Hemingways Stammkneipe, kuscheln uns ein halbes Stündchen in die Polster des Hotels, in dem Hemingway damals seine Zeit verbrachte, um endlich einmal ins Internet gehen und unseren Lieben daheim schreiben zu können, wir fotografieren, filmen, lassen uns treiben.

Wer mehr als einen Tag zur Verfügung hat, sollte sich unbedingt einen Fremdenführer nehmen und durch die Gassen führen lassen. Ein Preis von 10 Dollar pro Stunde scheint hier angemessen zu sein.

Gerne hätten wir noch eine Zigarrenfabrik besichtigt, das schien aber nicht so unkompliziert möglich zu sein. Wenn du hier Erfahrungen oder Tipps hast: gerne rein in die Kommentare!


Havanna – unser Fazit

Abends fallen wir todmüde in unser Bett. Am nächsten Tag wird es für uns weiter nach Varadeo gehen, wo wir 5 Tage spießig und All Inclusive verbringen werden. Wir sind nicht böse drum. Havanna, wir haben den Daumen raus gehalten, aber irgendwie hast du uns nicht abgeholt… Havanna– auch bei 35 Grad Hitze, sind wir mit dir nicht richtig warm geworden…

Vielleicht waren wir zu individuell unterwegs. Vielleicht hättest du uns mit der klassischen Touristenbrille auf der Nase besser gefallen, geblendet von deiner Geschichte und deinen prächtigen Altstadtbauten.

Vielleicht waren wir auch einfach nicht lang genug in dir unterwegs, zu wenig Zeit, den Charme deiner geheimen Ecken zu entdecken und mit deinen Bewohnern Freundschaften zu schließen.

Wir wissen es nicht. Wir werden es auch nicht mehr herausfinden.

Auf jeden Fall, Havanna, warst du dennoch eine tolle Erfahrung! Wir haben dich gesehen, wir haben dich erlebt, wir werden uns immer an dich erinnern.


Unterkunft

Havanna: Enzo´s Backpackers

Varadero: Ocean Vista Azul


Reiseführer*


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Verfolgen Andy und Miriam:

Wir sind Andy und Miriam und wir sind reisesüchtig! Nach der Reise ist für uns vor der Reise! Wir brauchen diese Vorfreude, diese Spannung, ehe es zum nächsten Reiseziel geht! Wir brauchen, das Adrenalin, das uns durch die Adern rinnt, wenn wir bei der Flugsuchmaschine auf „buchen“ klicken, wenn der Flieger abhebt, wenn wir landen, wenn wir das erste Mal neue Gerüche in der Nase haben und fremde Sprachen hören, wenn wir mit Auto und Zelt unterwegs sind und sich unser Herz überschlägt, weil wir mal wieder DEN Mega- Platz für unser Nachtlager aufgetan haben… wir sind Adrenalinjunkies und wir sind Reisejunkies. Wir brauchen: REISEADRENALIN! Du auch?

6 Antworten

  1. Joshua
    | Antworten

    Hey 😉
    Schade für euch beiden, dass ihr mit Havanna nicht so warm geworden seid. Auf Kuba war ich zurzeit leider auch nicht, wollte aber mit meiner Freundin nächstes Jahr zum Urlaub für ein paar Wochen hinfliegen. Ich finde Kuba extrem interessant in Bezug auf die Kultur, Menschen und der Lebensphilosophie. Auch der Flair, denn man dort vorfindet, fasziniert mich!
    Wenn das nächstes Jahr klappt, werde ich euch berichten wie es mir auf Kuba ergangen ist. Vielleicht haut mich Havanna ja komplett vom Hocker ?! Wer weiß das schon 🙂

    Liebe Grüße.

    • Andy und Miriam
      | Antworten

      Hey, ja, wir sind gespannt!!! Möglich, dass uns Havanna zu einer anderen Zeit zu anderen Umständen auch begeistert hätte… Wir drücken dir auf jeden Fall die Daumen, dass es klappt und du mega viele tolle Erlebnisse hast, von denen du uns dann berichten kannst!! LG, Andy und Miri

  2. Kerstin
    | Antworten

    Das kenne ich! Havanna ist für Kuba nicht der ideale Einstieg. Waren zuerst 3 Tage dort und sind ebenfalls nicht richtig warm geworden. Am Schluss der Reise dann nochmal einen Tag, und siehe da, da hat es dann auch mit uns und Havanna geklappt. Vielleicht gibt es ja auch für Euch irgendwann eine zweite Chance für Havanna. Die lohnt sich nämlich!
    Liebte Grüße,
    Kerstin

    • Andy und Miriam
      | Antworten

      Ach, man sagt ja so oft: man sieht sich zweimal im Leben… also, wer weiß…? 😉❤️

  3. Markus
    | Antworten

    Vielleicht habt ihr ein bisschen zuviel erwartet … Ich kenne das von anderen Städten. Vor allen San Jose in Costa Rica ist überhaupt nicht beeindruckend, obwohl es halt Costa Rica ist. Sowas passiert … 🙂

    • Andy und Miriam
      | Antworten

      Ja, das denke wir auch… wir merken auch, dass je mehr wir von der Welt gesehen haben, desto weniger Dinge können uns wirklich noch total flashen… Wären wir nicht schon mal in Panama City oder Granada in Nicaragua gewesen, vielleicht hätte uns Havanna voll von den Socken gehauen…. ähnlich ging es uns auf Vancouver Island, von dem so viele uns sagten, dass es für sie das schönste Fleckchen der Welt sei. Wir schauten uns so oft um und sagten: echt schön hier, ein bisschen wie Norwegen… aber an die Lofoten kommt es nicht ran.

      Dafür hatten wir auf der Tour MEGA Highlights im Yukon, Alaska und Island…. Also es kommt noch was! 😉

      Ganz liebe Grüße von uns!

Senf dazu geben? Her damit!