Blogparade Denkanstoß – MOSKAU: Zu Besuch im LENIN MAUSOLEUM
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Blogparade Denkanstoß – MOSKAU: Zu Besuch im LENIN MAUSOLEUM

Ihr Lieben, es ist schon eine ganze Weile her, dass Anuschka vom Reiseblog Rosas-Reisen zu ihrer Blogparade „Denkanstoß“ aufrief.

Worum es dabei geht?

Sich Gedanken zu machen.


*Ist es gut, dass ich jetzt gerade zum x-ten Mal in den Flieger steige und den Co2 Ausstoß in die Luft schleudere?

*War es richtig, damals in Thailand auf einem Elefanten zu reiten?

*Ist es gut, in den Zoo zu gehen, um dort viele fremde Tiere zu sehen, oder wären sie in ihrer jeweiligen Heimat vielleicht viel besser aufgehoben?

*Warum esse ich noch Fleisch, obwohl ich weiß, dass ich damit die Massentierhaltung fördere?


Auch uns sind sofort gleich mehrere Gedanken in den Kopf geschossen.

All die oben genannten Fragen stellen wir uns natürlich auch immer wieder. Hautnah sind wir in letzter Zeit vor allem mit einem Thema konfrontiert worden:

Vor ein paar Wochen hat es uns ja nach Russland gezogen. Nach Moskau, um genau zu sein. Eine der Sehenswürdigkeiten dort ist ein Mensch. Seine Überreste vielmehr. In Moskau, direkt am Kreml, kannst du im Lenin Mausoleum den einbalsamierten Körper von Wladimir Lenin, Gründer der Sowjetunion, bestaunen.

Klingt skurril? Ist auch so.

Die Schlange zieht sich die ganze Gasse hinunter. Der Eintritt ist frei.

Wir überlegen. Wirklich reingehen, ins Lenin Mausoleum?

Dazu muss man sagen: Lenin wollte das nicht. Er wollte nicht aufgebahrt und mit Chemikalien vollgespritzt dort liegen. Er wollte keinen Totenkult um seine Person (Wikipedia), sein Wunsch war es offenbar, in St. Petersburg beigesetzt zu werden. Vor allem seine Frau wehrte sich nach seinem Tod gegen diese Zur-Schau-Stellung- vergebens.

Wir gehen rein! Beschließen wir. Irgendwie will man es ja doch mit seinen eigenen Augen sehen.

Nach zehn Minuten Wartezeit erreichen wir den Eingang. Ab jetzt herrscht striktes Kameraverbot. An jeder Ecke stehen Wächter und kontrollieren das. Schon das leichte Anheben des Apparates führt zu scharfen Blicken und Handverweisen. Es geht ein paar Stufen hinunter in den dunklen Teil des Mausoleums. Stehenbleiben? Auch verboten. Langsam gehen wir den Gang entlang, einmal um den Sarg herum, ehe es an der anderen Seite wieder ein paar Stufen nach oben ans Licht geht.

Wie eine Wachspuppe liegt er da. Kaum vorstellbar, dass das der echte Leichnam eines Menschen ist, der bereits 1924 verstorben ist. Die Haut glänzt rosig und unwirklich.

Zurück im strahlenden Sonnenschein blinzeln wir etwas verstört. Kaum 5 Minuten hat dies alles nun gedauert. Einmal rum um den Sarg. Unverständnis macht sich in uns breit.

Warum behandelt man so einen hoch verehrten Staatsgründer und setzt ihn nach seinem Tod einer solchen „Fleischbeschauung“ aus, obwohl er sich eine normale Bestattung gewünscht hatte?

Warum stellen sich Massen von Menschen tagtäglich in eine endlos lange Schlange (ja, wir auch) um sich einen Toten anzuschauen, der dort unfreiwillig liegt?

Sensationsgeilheit?

Neugier?

Was war es bei uns? Ja. Neugier wohl in erster Linie.

Wie wir uns danach fühlten? Unverständig, wie gesagt. Als allererstes drängt sich uns der Gedanke auf: Er sieht doch wirklich so unecht und gewachst aus, dort liegend, warum hat man nicht wirklich eine Wachsnachbildung von ihm dort hin gelegt und seinen Körper seinen Wünschen entsprechend bestattet?

Was wäre unser Tipp für Moskau– Besucher? Lasst das Lenin Mausoleum aus! Nur, wenn es irgendwann keine Publicity mehr bekommt, gibt es vielleicht eine Chance, dass Lenin tatsächlich eines Tages in St. Petersburg beigesetzt wird. Natürlich ist das immer leicht gesagt, wenn die Neugier erste einmal befriedigt ist. Aber vielleicht ist das wie bei einem Autounfall.

Wer kann sich schon davon freisprechen, nicht langsam an einer Unfallstelle vorbei zu fahren. Magisch zieht auch so etwas immer wieder unseren Blick auf sich. Dennoch wissen wir alle, dass Gaffen eine echt üble Sache ist. Daher zwingen wir uns z.B. schnell weiter zu gehen oder zu fahren, wenn erkennbar ist, dass keine Hilfe mehr vonnöten ist.

Und so sollten wir es mit solchen Dingen auch tun. Mit Dingen, bei denen wir das Gefühl haben, dass sie eigentlich nicht richtig sind. Nur erkennt man das bei einer allseits akzeptierten Attraktion vielleicht nicht immer auf den ersten Blick. Wir bereuen im Nachhinein, dass wir uns zu dieser „Sehenswürdigkeit“ haben hinreißen lassen. Aber es sieht ja auch alles so legitim aus. Und ist es ja auch. Genauso wie das Elefantenreiten in Thailand zum Beispiel. Jeder macht das doch! Und an jeder Ecke wird es angeboten, da muss das doch in Ordnung sein…

Manchmal hilft es einfach, nur ein kleines bisschen näher hin zu sehen. Sich nicht von dem „das macht doch jeder“ blenden zu lassen und sich selbst die Frage zu stellen. Wenn es jeder macht, muss ich es dann auch tun?

Und so ziehen wir mit diesem Artikel unser Fazit:

Wir werden uns Mühe geben, uns im Vorfeld genau mit den Dingen, die wir tun auseinander zu setzen. Auch wenn das nicht immer vollständig möglich sein wird, dennoch werden wir uns nun noch viel stärker die Frage stellen: Wenn man mich so behandeln würde, fände ich das gut? Passt das, was da gerade geschieht, zu meinen moralischen Vorstellungen und zu meinem Wertesystem? Und wenn nicht: welche Alternativen habe ich?


Was ist mit dir? Was ist mit euch? Seid Ihr auf Reisen auch schon einmal in Situationen gekommen, von denen Ihr im Nachhinein dachtet: das war jetzt irgendwie nicht gut. Oder bei denen Ihr es vielleicht vorher schon wusstet und es trotzdem gemacht habt, einfach, weil es ja dazu gehörte, oder vielleicht auch, weil Ihr die Vor- und Nachteile vorher abgewogen habt und euch dann schließlich bewusst dafür entschieden habt?

Schreibt uns eure Sichtweise und Erfahrungen gerne hier unten in die Kommentare. Wir sind gespannt! Und schaut gerne auch mal bei der lieben Anuschka von Rosas-Reisen vorbei!

Verfolgen Andy und Miriam:

Wir sind Andy und Miriam und wir sind reisesüchtig! Nach der Reise ist für uns vor der Reise! Wir brauchen diese Vorfreude, diese Spannung, ehe es zum nächsten Reiseziel geht! Wir brauchen, das Adrenalin, das uns durch die Adern rinnt, wenn wir bei der Flugsuchmaschine auf „buchen“ klicken, wenn der Flieger abhebt, wenn wir landen, wenn wir das erste Mal neue Gerüche in der Nase haben und fremde Sprachen hören, wenn wir mit Auto und Zelt unterwegs sind und sich unser Herz überschlägt, weil wir mal wieder DEN Mega- Platz für unser Nachtlager aufgetan haben… wir sind Adrenalinjunkies und wir sind Reisejunkies. Wir brauchen: REISEADRENALIN! Du auch?

3 Antworten

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    | Antworten

    Hey ihr drei,
    einen super Artikel habt ihr da geschrieben! (Am Schreiben waren wahrscheinlich nur zwei beteiligt 😉 )Danke, dass ihr mitgemacht habt! Das Tolle ist ja, dass man durch euren Artikel als Leser jetzt die Möglichkeit hat, sich schon vorher mit der Fragwürdigkeit des Mausoleums zu beschäftigen und nicht wie ihr erst, wenn man davor steht. Und ihr habt völlig Recht, Reisen sollte nicht heißen, seine Moralvorstellung zu Hause zu lassen, im Gegenteil!
    Nach mal danke und liebe Grüße,
    Anuschka

Senf dazu geben? Her damit!